Einen 4000er für die Bergpiraten Teil 2

Am Freitag den 22.07.2016 war dann auch um 5 Uhr die Nacht für uns vorbei. Ein kurzer Blick vor die Türe zeigte uns, dass zwar der Schneefall aufgehört hatte, aber der Neuschnee uns sicher beim Aufstieg behindern wird. Jedoch zeigte die Wolkendecke große Lücken, was uns natürlich optimistisch stimmte.

Nach einem kurzen Frühstück wurden die Klettersachen sortiert und alle „überflüssigen“ Dinge auf der Hütte deponiert. Bereits kurz nach 6:00 Uhr standen wir schon wieder am Gletscherrand und stellten die Marschreihenfolge erneut zusammen. Dieses Mal führte auch Profi wieder das Team an, gefolgt von Astrid, Conny, Thomson und den Schluss bildete dieses Mal unser Jonas.

Der Abmarsch ging schon etwas zügiger voran, da wir ja nun schon ein eingespieltes Team waren. Eine italienische Seilschaft, die mit uns gemeinsam startete hatte schon etwas mehr Probleme.

Die Gletscherspalten wurden wieder sicher überwunden und nach kurzer Zeit standen wir an dem Steilaufstieg des Gletschers. Mehrere Seilschaften eiferten nun um die Führungsposition. Durch unsere gute Höhenanpassung des Vortages  hielten wir im parallelen Wettlauf sehr gut mit. Am Ende ließen wir nur eine Schweizer 2er Seilschaft an uns vorbeiziehen. Etwas außer Atem legten wir eine kurze Pause ein und bemerkten, dass auch die zurückgebliebenen Seilschaften pausierten. Etwas erschrocken bemerkten wir, dass wir bereits nach anderthalb Stunden weit über die 4000er Höhenlinie hinaus gekommen waren.

Dennoch sollte man sich keine Laufveranstaltung vorstellen, denn es hieß auch weiterhin „Schritt für Schritt“ und „Atemzug um Atemzug“. Leider mussten wir nun mit ein paar Sorgenfalten feststellen, dass sich die Wolkendecke wieder völlig geschlossen hatte und begann uns einzuschließen.

Kurz vor dem Fuß des Gipfelanstieges änderten wir unsere Aufstiegsroute in Richtung Vincenspyramide, wogegen die meisten anderen Seilschaften weiter in Richtung Signalkuppe marschierten. Doch unsere Strategie sollte sich als die Bessere herausstellen.

Nachdem wir den Schlussanstieg in Angriff genommen hatten, begann es richtig zu schneien und wir konnten die Hände vor den Augen nicht mehr sehen. Zum Glück waren die Gipfelspuren des Vortages noch teilweise sichtbar und das GPS gab uns die Richtung vor.

Schritt für Schritt ging es in Serpentinen aufwärts. Plötzlich durchschnitt ein Gewittergrollen die Ruhe. Das GPS zeigte 4140 mNN. Was sollten wir tun? Umdrehen? Nach einer kurzen Beratung entschieden wir, weiter zu steigen. Der Schneefall wurde immer dichter, doch wir ließen uns nicht mehr beirren. Wieder ein Grollen! Das GBS zeigte 4190 mNN.

Jetzt hieß es die letzten Reserven zu mobilisieren, denn der Gipfel schien uns durch die Wolkendecke zum Greifen nahe. Plötzlich ging es nicht mehr aufwärts!!!! Nach kurzer Überlegung stellte sich die Gewissheit ein; Wir sind oben!!!!!! Ein etwas mühsames und eher schnaufendes sächsisches  „Berg Heil“ hallte durch die immer und immer dichter werdenden Nebelschleier.

Nach sehr umständlichen Fotografierversuchen stellte sich ein unheimliches Knistern ein, was uns umschwirrte.

Ein kurzer Hinweis von Profi „Wir müssen uns vom Acker machen“ löste unterschiedliche Reaktion bei den Teilnehmern aus. Conny war sofort der Meinung eine Gletscherspalte wird sich gleich auftun oder eine Lawine uns nach unten spülen. Die anderen dachten wohl eher an eine Gewitterentladung. Auf alle Fälle stieg das Angstgefühl enorm an.  Dabei war Profi nur der Meinung, dass die magnetischen Entladungen unsere elektronischen Geräte beschädigen könnten und dabei auch das GPS ausfallen würde. Nun gut unsere Seilschaft rückte enger zusammen und der Abstieg vollzog sich doch etwas schneller als geplant.  Nachdem wir das Gipfelplateau verlassen und eine Windschattenzone erreicht hatten, hörte das unheimliche Knistern in der Luft wieder auf. Bis zum Erreichen des Gipfelfußes trat es jedoch immer wieder auf und das Gewittergrollen verstärkte sich dabei zunehmend. Am Gletscher angekommen bemerkten wir weitere Seilschaften im Abstieg. Doch plötzlich kam uns eine polnische Seilschaft entgegen, die den Aufstieg noch wagen wollte. Profi hielt daher inne, um den Bergfreunden zu erklären, dass  bereits magnetische Entladungen  am Berg tobten.  Conny dachte dabei entnervt in sich herein, warum Profi in dieser Situation angehalten hat und versuchte den anderen die Situation zu erklären. Sie konnte ja nicht wissen, dass weder wir noch die andere Seilschaft sich je in einer echten Gefahr befunden hatten, trotz des unheimlichen Grollens.

Immer den Spuren der vor uns absteigenden Seilschaften folgend, querten wir den Gletscher.Urplötzlich tauchte recht von uns eine riesige Gletscherspalte auf und es entstand das Gefühl, dass wir uns verstiegen hatten. Profi hielt jedoch störrisch an dem eingeschlagenen Weg fest und verwies nur auf das GPS. Wie sich durch den Wetterumschwung die Landschaft verändern konnte, bekamen wir nun deutlich zu spüren.Nach ein paar Minuten konnten wir durch die Wolkenschwaden den Felsriegel erkennen, der der Gnifetti-Hütte vorgelagert war. Wir entschieden nun, diesen talwärts zu umgehen, um nicht nochmals die vielen Gletscherspalten zu queren. Sicher war dieser Weg länger, aber dafür auch risikoärmer.

Nach einer weiteren kurzen Marschzeit erreichten wir die Hütte und konnten uns der durchweichten Sachen entledigen. Wir mußten noch bis nach dem Mittag warten, bevor wir den Abstieg zur Seilbahn antreten konnten. Überglücklich erreichten wir das Tal und nach ein paar Bier war die Angst komplett verschwunden.

Berg Heil

Eurer Profi

4 Kommentaren

  1. Ein bisschen verrückt seit Ihr schon, und von wegen „ungefährlich“ !? Wir sind froh, dass Ihr heil wieder runtergekommen seid.
    Bei Gewitter brecht Ihr in Zukunft ab – versprochen !

  2. Hui….da gebe ich Uli und Achim recht, dass war wirklich sehr riskant. Aber wie sagt man: Wer nicht riskiert, der nicht gewinnt. Es kann aber auch schnell mal sein das: Wer viel riskiert, ist schnell mal tot. Zum Glück ist ja alles gut gegangen. Aber so ist das eben… Man will etwas schaffen, koste es was will. Dann seid ihr ja auch alle 5 fürs weiterlaufen gewesen.
    Auf jeden Fall Gratulation für das was ihr zusammen geschafft habt.

    „Einen Berg hat man erst erfolgreich bestiegen, wenn man gesund wieder im Tal ist!“

  3. Ihr Lieben danke für die Mahnungen! Wir sind seit vielen Jahren in den Alpen auch alleine unterwegs. Es liegt uns fern jemanden in Gefahr zu bringen. Besonders den Schulfreund von Johannes könnten wir so etwas nicht antuen. Gewitter in über 4000 Meter Höhe haben unterschiedliche Ausprägungen, das muss man einfach beachten und sich danach verhalten.

  4. Das sollte ganz gewiss keine Kritik an Deinen Führungsfähigkeiten sein. Wir sorgen uns einfach nur um Euch.

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